Hallo aus dem Osten, genauer gesagt aus Shanghai, China. Für alle die es nicht wissen, ich werde für 20 Wochen bei Siemens Shanghai ein Praktikum machen um meinem bisherigen Studium in Ansbach ein bisschen Würze zu verleihen.

 

02.-03.10.2005

-> 04.10.2005

-> 05.10.2005

-> 06.10.2005

-> 08.10.2005

-> 14.10.2005

-> 16.10.2005

-> 23.10.2005

-> 30.10.2005

-> 06.11.2005

-> 13.11.2005

-> 20.11.2005

-> 01.01.2006

 

02.-03.10.2005

 

Abgeflogen bin ich am zweiten Oktober, abends um 20.45h. Der Flug verlief einwandfrei. Es war ein Minni-Flugzeug welches zu einem drittel besetzt war. Somit konnten wir (zwei Franzosen die ich im Flug kennen gelernt habe und ich) richtig bei den leckeren Baguettes zugreifen welche uns die hübscheste Stewardesse (es gab nur eine) servierte und ein paar leckere Bierchen trinken. Angekommen in Paris begab ich mich auf die Suche nach Gate C83. Die erste Filterung war dann Gate C20 - C100. Sehr intelligent von den Franzosen. Die Schlange ging bis ins gegenüberliegende D-Gebäude und jeder wurde noch mal schön abgetastet und durchleuchtet. Na ja, der restliche Flug nach Shanghai verlief reibungslos. Es gab lecker Hähnchen mit irgendeinem Brei, ich glaub es war Möhrenbrei oder so?! Angekommen in Shanghai wollte ich meinen Koffer vom Laufband holen und stand mit vielen andern so lange bis ein netter kleiner Chinese uns mitteilte dass es das gewesen sei, aber netterweise gibt es für solche Fälle einen Schalter. Die 10 Chinesen hinter diesem Schalter wollten schon vor der herantobenden Menschenmenge flüchten, doch zwei haben es nicht geschafft und ab dann war Zettel ausfüllen und Air France Notfallpäckchen austeilen angesagt. Nach etwa einer Stunde war dann auch ich mal dran und habe händeringend meinen Koffer beschrieben und in Erfahrung gebracht dass mein Koffer noch bei den Franzosen rumfährt. Die Streiken nämlich und hatten wahrscheinlich vor lauter Baguettes im Kopf die Koffer liegenlassen. Zwei Tage muss ich mich nun begnügen. Zumindest war in meinem tollen Air France Notfallpäckchen ein XL T-Shirt. Wahrscheinlich für Chinesen XL, ich renne bauchfrei durch die Gegend. Zumindest stand draußen ein kleiner Chinese (das klein spare ich mir ab jetzt, die sind alle klein) und fuhr mich brav zu meiner Unterkunft in einem anständigen VW Passat. Respekt auch an den Fahrer dass er das Auto und vor allem mich heil zum Ziel gebracht hat. Die fahren wie die irren. Blinker kann man gleich von Werk aus demontieren da dieser nie gebraucht wird, dafür lieber in dicke Hupen und Stossstangen investieren. Wie auch immer, ich bin heil im meiner Unterkunft angekommen. Unterkunft ist untertrieben, es ist ein rießen Hotel in welchem die Siemenspraktikanten untergebracht werden. Die Wohnung hat ein großen Wohn-/Esszimmer, eine große Küche und zwei Zimmer mit jeweils einem Bad. Von den zwei Balkons hat man eine super Aussicht auf den Hafen und die Skyline von Shanghai (siehe Bild oben auf dieser Seite) . Abends habe ich nicht mehr viel gemacht (es war in der Zwischenzeit 20h Ortszeit). Ich habe mir noch ein Bierchen aus dem Supermarkt gegenüber geholt (welcher 24h offen hat) und ein bisschen Fernsehen geschaut.

 

04.10.2005

 

Schön ausgeschlafen, frisch geduscht und ohne Kaffee!!! habe ich mich auf den Weg gemacht meine Umgebung ein wenig zu erkunden. Als Erstes musste Geld gewechselt werden. Banken gibt es jede Menge, aber nur die "Bank of China" kann Euro in RND (so heißt das Geld hier) wechseln. Ok, ich wusste grob wo sich diese befindet und da es ja die Bank of China ist musste die natürlich auch in einem imposanten Gebäude sein (in Shanghai gibt es über 3000 Hochhäuser). Aber weit gefehlt, nachdem kein Mensch Englisch kann und ich zum zwanzigsten mal die in meinem Stadtplan markierte Ecke umrundete entdeckte ich die Bank. Aber nichts mit imposant, der Tante Emma Laden daneben ist größer und auffälliger als dieser Minnischalter der sich Bank of China schimpft. Mit vor Hunger zitternden Händen wechselte ich 100€ und stürmte erstmal den Mac Donalds der sich gegenüber befand. Nach einem Menü mit irgendeinem Tripple-Burger (Rindfleisch!) für umgerechnet 2€ ging es mir wieder besser. Dann noch einen Kaffee geholt und mich gemütlich auf ein Bänkchen gesetzt und meine Umgebung beobachtet. Die Ruhe wurde ständig unterbrochen von sich freuenden und glotzenden Chinesen die wahrscheinlich zum Ersten mal in Ihrem Leben einen Menschen sahen der größer als 1,60m ist und dazu auch noch blond ist. Satt und mit Kaffee im Bach konnte ich mich richtig auf die Stadt konzentrieren. Das Viertel in dem ich lebe heißt Pudong und die meisten Firmen sind hier angesiedelt. Die Kontraste sind unglaublich. China pur mit vielen kleinen Geschäften aneinandergereiht, viele Fahrräder und überall wird gekocht, gebaut und an irgendwas rumhantiert. Im Hintergrund sieht man die monströsen Hochhäuser und irgendwie passt das alles gar nicht zusammen. Ein paar Schritte weiter steht man in einer Einkaufsmeile mit Hugo Boss und Versace Läden, wieder ein paar Schritte weiter stehen alte verrottete Gebäude die gerade abgerissen werden. Irgendwann spürte ich meine Füße nicht mehr und machte mich auf den Heimweg. Der Abend rückte näher und ich erkundigte mich bei der netten Hoteldame die überraschenderweise Englisch kann wo man am besten hingeht. Die notierte mir die Adresse der Ausgehmeile in Chinesisch auf einem kleinen Zettel. Das ist hier dringend nötig. Die Taxifahrer können somit Ablesen wo man hin möchte. Dort angekommen ging wieder das geglotze los und ich verdünnisierte mich ins Paulaner Hofbräuhaus. Aber nichts mit altbekanntem. Eine Maß kostet 12€ und alles ist voll betrunkener kleiner Chinesen, und deutsche Volksmusik auf Chinesisch ist auch nicht so der Bringer. Also zog ich weiter und entdeckte eine Bar mit lustigen Lifemusikern die Sarah Conner sangen. Das schöne in Shanghai ist dass wenn man in eine Kneipe geht schon jemand auf einen wartet der einem einen Platz besorgt. Respekt, sehr gute Idee. Ich machte es mir an der Bar gemütlich, beobachtete die hüpfenden singenden Chinesen und trank erstmal ein Bierchen. Das was man tagsüber an Lebensmitteln und Essen einspart wird man Abend wieder los. Es ist verglichen mit Deutschland nicht teurer, aber verglichen mit allem anderen in Shanghai schon. Der mir Nebenansitzende Chinese wollte mir ein Würfelspiel beibringen, da er jedoch kein Wort englisch konnte und ihm vor lauter beseiert sein immer die Würfel vom Tisch fielen war das Projekt nicht erfolgreich. Er lud mich noch auf einen chinesischen Schnaps ein (Bähhh) und ich zog weiter. Kaum saß ich einige Bars weiter gemütlich draußen um die kühle Abendbriese zu genießen lachte mich eine Chinesin an. Ich dachte erst das war die Hoteldame (die sehen alle gleich aus) weil sie losquatschte wie eine wilde, war sie jedoch nicht. Sie saß sich zu mir und redete ohne Ende. Zum Glück konnte sie Englisch. Sie studiert Informatik und es dauerte nicht lange bis sie wissen wollte in welchem Hotel ich wohne und ob ich Single sei. Unterstrichen hatte sie ihr anliegen immer mit Bemerkungen wie süß ich sei und wie groß und bla. Wie auch immer, ich sagte ihr ich wüsste die Adresse von meinem Hotel nicht und dass ich kein Single bin. Sie steckte mir noch ihre Telefonnummer zu und ich solle mich doch am Wochenende mal bei ihr melden um zusammen wegzugehen. Währe ich Single und würde ich auf Chinesinnen stehen, Respekt. In Deutschland als Single passiert einem so was nicht. Ich rannte auf die Strasse und hielt ein Taxi an dass mich zurück zum Hotel fuhr. Dann fiel ich in mein Bettchen und schlief ein (Alleine!!! für alle die denken ich würde ihnen Blödsinn erzählen).

 

Abflug, erste Eindrücke und mein Zimmer

 

05.10.2005

 

Nachdem ich dick ausgeschlafen habe gab es erstmal einen guten Instantkaffee (der war echt gut) und ein komisches Brötchen mit Nougat drinnen welches ich mir am Abend davor noch schnell im Supermarkt gekauft habe. Frisch geduscht ging es dann in eins der größten Kaufhäuser die man im Osten so finden kann. Es war wirklich riesig. 8 Stockwerke hoch und jedes hatt die Fläche von 3 Fussballfeldern oder so. Dementsprechend viele Chinesen waren da die wie die irren durch die Gegend bummelten (die rennen beim bummeln, schlendern gibts da nicht) und die Wege blockieren. Dank meiner Größe konnte ich mir immer eine einigermaßen freie Route raussuchen. Der 5te Stock war die Fressmeile. Mac Donald gefolgt von KFC, Starbucks, Pizza Hut usw.. Da hätte sich manch einer meiner deutschen Kollegen gefreut. Gekauft habe ich mir eine Tasse. Jaja, da ich die letzten Tage Kaffee aus so einer China-Reisschüssel getrunken habe war das dringend nötig. Anschließend war ich noch im Supermarkt um das nötigste zu besorgen. Thunfisch in Öl, Butter (was aber Vanilleeis war) etc. Wieder daheim angekommen holte ich mir noch schnell Semmeln und Mayonaise und dann gabs leckere Thunfisch-Mayo-Semmeln. Anschließend liefen noch die Hollywood Cops im Fernsehen und dann gins ins Bett, schließlich war morgen mein erster Arbeitstag.

 

06.10.2005

 

Erster Arbeitstag, eine Mücke hatte mich dioe ganze Nacht gequält, schnell geduscht, ein Taxi besorgt und ab ins Büro. Das Büro sieht wie jedes andere Siemensbüro aus, man fühlt sich von den Chinesen abgesehen wie daheim. Die meisten können Englisch und ab gings an die Formalitäten. Dorthin rennen und dieses abgeben, hier dies unterschreiben..., doch Arbeit gab es keine da all meine Chefs in Urlaub sind. Ok, ich hatte kein Login, das bekomme ich frühestens kommenden Montag und konnte nichts machen. So ein Pech, also wurde ich heimgeschickt. Im Hotel angekommenerfuhr ich dass ich umziehen muss zu einem anderen Praktikanten samt Freundin. Na gut, ich stapfte also dort hin um mich vorzustellen und eine Brasilianerin (Model!)samt Katze öffnete mir die Tür. Hinter ihr ein verwüstetes Wohnzimmer. Panisch angehaucht aufgrund der aktuellen Veränderung musste sie noch aufräumen und Platz machen. Ok, ich musste ja auch noch alles zusammenpacken. Aber nichts gemütlich, mein Einpacken war begleitet von zwei Chinesinnen die Ihre Putzlappen zwischen meinem Koffer und deren Inhalt rangierten und mich somit zu schnellerem packen veranlasst haben. Die Brasilianerin war noch nicht fertig, also bin ich nochmal ins Büro um einige Sachen abzugeben die ich Vormittags nicht dabei hatte und spontan besuchte ich meinen neuen Mitbewohner der einen Stock unter mir seinen Platz hat. Er ist ein netter Kerl und wir haben ne Runde palavert. Wieder zurück im Hotel zog ich in mein Zimmer und werde es mir erstmal gemütlich machen.

 

08.10.2005

 

So, da bin ich wieder. Gestern war ich auf Arbeit, habe noch einige Formalien erledigt und die Geschichte von Siemens in China per Intranet auswendig gelernt. Anschließend machte ich mir einen ersten Eindruck einer meiner Aufgaben, eine rießen Exceltabelle optimieren. Super, da kommt Freude auf, vorallem da der bisherige Tabellenpfleger nach Deutschland zurück geht und mich meinem Schicksal überlässt. Mittags gab es seit langer Zeit das erste anständige Essen, Reis mit Curry und Meeresfrüchten. Sehr lecker. Auf dem Heimweg war ich noch kurz einkaufen und das wars dann gestern auch.

 

Heute war mein Ziel Kleiderbügel und Ohropax zu kaufen (mein neues Zimmer geht zur Straße hin und ist sehr laut).Kleiserbügel ok, kein Problem, aber bring Chinesen mal bei was Ohropax sind. Die haben mich immer in die Kopfhörerabteilung geschickt. Nenene, das brauche ich nicht. Schlussendlich habe ich Dank meiner hervorragenden pantomimischen Talenten in einer kleinen Apotheke welche bekommen. Da das Wetter heute sehr schön war bin ich spontan auf das höchste Gebäude Asiens gegangen, der Fernsehturm von Shanghai. Super Aussicht. Man konnte sehr weit sehen und da wird einem die Größe Shanghais erstmal bewusst. Stadt so weit das Auge blicken kann. Ein Hochhaus am anderen. Sehr beeindruckend. Die Bilder kann ich Euch netürlich auch nicht vorenthalten. Eigentlich wollte ich ein großes Panoramabild basteln, aber das klappt nicht so wie ich es will. Vielleicht wenn ich mehr Zeit habe. Es ist jetzt acht Uhr Abends. Ich werde einen happen Essen und einen Kaffee trinken, dann gehts weiter ins Nachtgetümmel. Vielleicht melde ich morgen wieder...

 

Kaufhaus und einige Nachteindruecke

 

Panoramabilder (noch einzeln)

 

Ach ja, hier noch einige Bilder von einer meiner Mitbewohnerinnen, die Psychokatze "El Gato"

 

El Gato

 

Wie vermutet waren wir Abends noch unterwegs. Start war zwar erst Nachts um halb 1, das machte aber nichts da ich davor eh noch viel zu erledigen hatte. Ab gings per Taxi ins "Park 97", ein Club in der Ausgehmeile. Dort habe ich das erste mal Bettler in Shanghai gesehen. Alle vernünftig angezogen und superpenetrant. Naja, schnell weiter und ab in den Club. Davor trafen wir noch einige Freunde meines Mitbewohners die wiederum jemanden kannten der den Chef kannte, also kamen wir alle umsonst rein. Das ganze erstreckt sich über zwei Stockwerke, unten Disco, oben Lounge. Bierpreise wie in jeder Kneipe und anständige Musik. Dann kahm die Modelfraktion aus Russland. Angefahren in einem weißen Geländewagen stolzierten die Mädels aufgeschneckt hinein, dahinter die Jungs die eher wie Zuhälter wirkten. Drinnen angekommen wurde Champagner ausgegeben und wir haben dies natürlich ausgenutzt. Die kleinen Chinesen geiferten den 2 Köpfen größeren Russinnen hinterher und die Russen kümmerten sich darum dass die Getränke nicht ausgehen. Irgendwann war eine Pinkelrunde angesagt und ihr werdet es nicht glauben, ich stand am Pissour und auf einmal hatte ich ein warmes Tuch in meinem Nacken. Ich wurde massiert und mein Nacken eingerenkt. Die hatten also extra jemanden der sich für das Wohlbefinden der Gäste sorgt. Das ist mal ein netter Service. Gegen 4 leerte sich der Club und auch wir sind gegangen. Das wars dann, daheim noch was gegessen und dann gings ab ins Bett.

 

-> 14.10.2005

 

So Jungs und Mädels, es ist mal wieder Zeit für einen kleinen Statusreport. die Woche habe ich das Arbeiten angefangen. Meine Chefs sind super (alle Deutsche) und die Chinesen und Chinesinnen sind alle superfreundlich. Der größte Vorteil ist daß die alle Englisch können, somit gibt es also keine Kommunikationsprobleme. Mein liebster Freund ist der Pförtner. Der sitzt den ganzen Tag vorm Büro und macht nichts. Wirklich nichts. Das der noch nicht gesprungen ist verstehe ich nicht. Der ließt nix, hat keinen Computer, der einzige Zeitvertreib ist es mir die Tür aufzumachen wenn ich vom Klo oder vom Rauchen komme da die hier in China noch länger brauchen einen Ausweis auszustellen als in Deutschland. Naja, zumindest haben die es geschafft dass ich Internet und eMail habe, Respekt. Demnächst werde ich als Supervisor = Langnase aus Deutschland in ein stahlwerk gehen und entsprechend wichtig durch die Gegend laufen und die Abnahme machen. Siemens bekommt dafür Kohle ich ich einen opti Einblick was Siemens eigentlich macht und das ganze in reality erlebe, das wird bestimmt super. Diplomarbeit habe ich auch die Woche angefangen mir einzurichten (automatisierte Kransteuerung, genauer die Steuerung und Sensorik bei der Auf- und Abnahme von Containern an Häfen). Klingt auch anständig, dann mache ich noch ein paar Bilder und mein Schwerpunkt Multimedia ist gedeckt. Dafür kann ich hier in China schon ein bisschen Vorarbeiten, mir erste Eindrücke machen und mein Chef unterstützt mich dabei, sehr anständig. Mittwoch Abend habe ich mich nach der Arbeit auf den Fake-Market begeben. Dort gibt es alles an Klamotten bis Sonnenbrillen, Gürtel und Tschen. Alles natürlich Boss, Armani, aber eben nur das Label. Entweder die Sachen sind gefälscht und Label drauf oder zweite Wahl Produkte. Entsprechend günstig sind die Preise (nachdem man den Preis auf max. ein Drittel runtergehandelt hat) und die Verkäufer gehen einem so auf die Eier, unglaublich. "DVD, DVD" hier und "Nice watches, look" wird man von allen Seiten zugenervt. Da muss man hart bleiben und die Jungs ignorieren, leichter gesagt als getan. Schlussendlich gabs ne neue Sonnenbrille und einige Hemden, dann musste ich weg. Meine Ohren haben geblutet und noch so ein dummer Nervspruch und ich hätte den Jungs das Reden für immer erschwert. die restliche Woche bestand aus Einkaufen, mit El Gato fighten und Abends gemütlich DVD schauen, schließlich wollte ich die erste Woche einigermaßen fit auf Arbeit erscheinen. Aber dann war Freitag Abend. Die ganze Woche über steuerten meine chinesischen Kollegen durch die Gegend und nuschelten was von Bierfest und Oktoberfest, ich habe sie aber nie richtig verstanden weil sich deren Stimme beim Reden vor Begeisterung regelrecht überschlagen hat. Donnerstag Abend klärte mich mein Chef auf dass es hier ein Oktoberfest gibt und am Freitag Siemens Shanghai dort hingeht. Er lud mich zu jenem ein und nach reichlicher Überlegung konnte ich natürlich nicht Nein sagen, wie wäre ich denn vor meinem Chef sonst dagestanden. Also gut, Freitag nach der Arbeit ging es direkt dorthin. Der Fahrer (I&S hat hier insgesamt 3 Fahrer) fuhr uns hin und wir ab ins Getümmel. Ach war das herrlich, erstmal ne Breze in die Hand gedrückt bekommen und sich einen Platz unter dem weiß blauen Partyzelt gesucht. Kaum gesessen rannten kleine Chinesinnen im Dirndl (sowas ähnliches) schon mit dem ersten Bier auf einen zu und füllten dieses regelmäßig nach sobalod etwas abgetrunken war. Sollte mich also jemand fragen wieviel ich getrunken habe kann ich getrost sagen "keine Ahnung" da durch diese Nachschenkerei keine Zählung möglich war. Dann wurde das Buffet eröffnet und schlagartig war eine lange Reihe einmal ums Zelt herum und stand zum Buffet an. Chinesen lieben auch das anstehen und rumdrängeln. Ich beobachtete das Geschehen und ließ mir nochmal nachschenken. Die Kolleginnen an meinem Tisch kamen jede mit einem gehäuften Teller deutscher Leckereien zurück und ich bediente mich kräftig da bei den meisten der Appetit größer als der Hunger war und genug da war. Es gab Weißwürste, Kassler, Schweinebraten usw.! Hammer, wie in Deutschland. So ginge es den ganzen Abend weiter. Deutsche Musikanten unterstrichen die Stimmung und alle wurden mehr und mehr angeheitert. Gogos sind auf einmal rumgetänzelt und ein deutscher Kollege (der nichts trinken wollte) steuerte durch die Gegend und machte mit jedem Armdrücken der ihm über den Weg lief, da war ich natürlich auch auf der Opferliste. Danach durfte ich mir anhören wie weh sein Arm tut und dass seine Schulter ausgerenkt ist. Tja, dumm gelaufen, selber Schuld. Es ist viel lustiges passiert, Details weiß ich jedoch nicht mehr (wie gesagt, das Bier war immer voll und der Durst da). Doch seht selbst wie das Oktoberfest seinen Weg nach Shanghai gefunden hat.

 

Oktoberfest

 

-> 16.10.2005

 

Oktoberfest ist vorbei und der Kopf ist dick. Nichts destweniger trotz war Samstag um 9h in der Früh Abfahrt. Es ging zu Formel 1 an der neuen Strecke in Shanghai. Eine Stunde später sind wir dort angekommen und mussten erstmal den richtigen Eingang finden. Das Gelände ist rießig. Die Strecke ist zwar "nur" 3,4km lang, aber rundherum sind Tribünen und ein großer Graben und somit wird ein Rundgang durchaus zu einer sehr ausgedehnten Wanderung. Die richtige Tribüne war gefunden und wir machten es uns gemütlich. Es waren sehr viele Plätze frei und somit hatten wir freie Auswahl. Los gings mit dem Porsche Cup. Schon putzig wie die Autochen da ihre Bahnen ziehen. Anschließend war Formel 1 an der Reihe und danach der BMW Asia Cup. Keine Ahnung was das eigentlich sollte. BMW fährt doch auch bei Formel 1 mit? Aber ich bin da zu unwissend muss ich ehrlich zugeben. Auf jeden Fall machen die Dinger einen Höllenlärm. Dank der Konstruktion der Tribünen hallt der Lärm noch für bestimmt 20sec. mach bis wieder Ruhe herrscht, und dann kommt auch schon das nächste Auto. Aber schon sehr imposant. Unser Platz war an einer sehr engen 180° Kurve und dementsprechend oft haber die Autos Kies geschnuppert was immer sehr amüsant war. Als "normale" Streckenautos waren ein Mercedes SLK und ein Kopmbi. Beide mit dickem V8 an Bord und die gingen auch entsprechend ab. Sicher, die Formel 1 Wägen waren einen Tick schneller, aber die Mercedes machten eine gute Figur und klangen auch entsprechend. Da wird einem bewusst wofür man arbeitet, und selbst der V8 Kombi ist durchaus Familientauglich.

 

Heute ging es dann zum richtigen Rennen. Das Stadion war am überquellen und die Stimmung grandios. Die Chinesen schwenkten Schumifahnen und das Bier floss in Ströhmen. Los gings mit den putzigen Porscherennwägen. Sehr schön, einfach tolle Autos. Keine Ahnung wer gewonnen hat, war aber auch nicht wichtig. Dann war Pause und wir gaben uns die Rennställe-Shoppingmeile. T-Shirts, Poster, Mützen, alles gabs zu entsprechenden Wucherpreisen. Mercedes hat eine kleine Präsentation aller Standartautos zu Preisen ab 3 Jahreseinkommen ausgestellt und auch Formel 1 Wägen konnte man betrachten. An den Dingern ist echt nix dran. Motor, bisschen Karosserie, das wars. Also nix mit Komfort wie Klimaanlage oder Radio, die Jungs müssen auf einiges verzichten. Dann gings weiter mit dem richtigen Formel 1 Rennen. Die Tribünen platzten aus allen Nähten und die Stimmung war Hammer. Kleine Chinesen mit großen Fahnen wollten zwar immer die Sicht versperren aber da haben wir deutsche Jungs uns schon zu helfen gewußt, so ja nicht. Der Krach ging los und die Autochen flitzten durch die Gegend. Beim zuschauen wird einem die Geschwindigkeit gar nicht bewusst. Zack, Michael Schumacher krachte irgendwo rein. Na toll, der Depp. Also zischte der kleine SLK durch die Gegend und sammelte die restlichen Formel 1 Wägen schön zusammen und veranstalteten eine schöne Parade. Der SLK machte es denen nicht einfach, der ging auch gut ab. Respekt. Ok, dann gings weiter und wieder ist irgendwo irgendjemand irgendworein gefahren. Wie gesagt, ich kenne mich in Formel 1 null aus. Die nette Parade folgte und weiter gings, ab jetzt dann ohne Unterbrechungen. Den einzigen den ich erkannte war der Kimi, aber auch nur weil sein Name auf dem Auto stand. Das war mir auch egal, das Rennen war vorbei, es war super sowas in Life zu erleben, den Lärm mitzubekommen und den Gummi zu riechen. Fazit: Wenn mir nochmal ein Formel 1 Fan blöd kommt dass meine Eisenbahn nur dumm im Kreis rumfährt, der bekommt was zu hören. Nenene. Aber wenn sich jemandem die Möglichkeit bietet so etwas mal Life zu erleben der soll das machen. Es sind Welten zwischen im Fernsehen anschauen und direkt dabeizusein.

 

Formel 1

 

-> 23.10.2005

 

Mittwoch Abend ist hier der Dienstag in Erlangen, also weggehen. Neben diesem Tagesunterschied ist der eigentliche Unterschied dass in Erlangen Studenten alles günstiger bekommen, in Shanghai die Models. Das trifft sich natürlich gut da wir hier ja die passenden Connections haben. Also gings auf zu den Brasilianern noch ein paar Bierchen trinken und dann ab in so einen Hip Hop Schuppen. Dort wartete schon die russische Model Elite. Eintritt frei, Bier und Vodka umsonst. War die Karaffe leer stand schon ein Kellner da und sorgte für Nachschub. Ein russisches Model tanzte den ganzen Abend mit dem Spiegel, ich wollte sie schon aufklären dass da niemand anderes ist und sie sich selber antanzt, es war aber zu lustig und deshalb haben wir sie machen lassen. Pedro, ein Brasilianer, fühlte sich fürs Bier nachfüllen zuständig, ich fühlte mich zurückversetzt ans Oktoberfest. Anständig wie wir sind ließen wir die Finger vom Vodka, was mein Kopf am nächsten Tag mir dankte, denn am Mittwoch ging es das erste mal ins Stahlwerk. Das ist ca. eine Stunde von meiner Wohnung entfernt. Das Gelände ist rießig. Ich habe mal einen Spaziergang auf das Dach des Gebäudes in welchem wir arbeiten gemacht um alles zu überschauen. Das hört gar nicht auf. Das Gelände ist direkt am Fluß gelegen über welchen das Eisenerz aus Australien kommt. 3 Schmelzanlagen habe ich entdeckt und jede Menge Hallen in denen was weiß ich gemacht wird. Die Anlage die wir basteln ist ca. 50m lang. Am Anfang kommt eine Rolle mit Stahlblech, die wird dann über jede Menge walzen gelenkt und der Länge und Breite nach geschnitten und wieder aufgerollt. Der Sinn ist also wenn z.B. die Autoindustrie daherkommt und 20m von dem Stahl und 30m von dem braucht das hier passend zusammengeschnitten wird. Sehr faszinierend und jede Menge gefährliche Knöpfe die man ja nicht drücken darf. Mist. Am Freitag habe ich die komplette Halle mal abgelaufen. In der ganzen Halle wird nur Blech zugeschnitten. Dann gab es ein Problem mit einer Walze. Ok, die Walze wird abmontiert und per Kran aus der Fassung gehoben. Doch dann gab es das größte Problem. Die Kugellager welche seitlich an der Walze montiert waren mussten auf die neue Walze. Ok, 10 Chinesen stehen da und schauen sich das an. 5 Minuten später kreischen lauthals 10 Chinesen durcheinander und es ist immer noch nichts passiert. Weitere 10 Minuten später schnappt sich einer Hammer und Meisel und kloppt auf das Kugellager ein wie ein bekloppter. Unglaublich. Ich meine ich bin ja schon grobmotorisch veranlagt, aber das was die da machen würde nicht mal ich zusammenbringen. Irgendwann gab der klügere nach und das Kugellager war von der Achse gelöst. Dann gingen mein Kollöege ich ich in die Stadt und machten Mittag. 2 Stunden später habe ich mal wieder vorbeigeschaut und da waren sie dabei das Kugellager an die andere Walze zu montieren. Naja, die schnellsten sind die Chinesen nicht, vorallem nicht wenn es um Problemlösung geht. Irgendwann wurde die Walze dann wieder per Kran in die Fassung gehieft und alles montiert und angeschlossen.Für einen Probedurchlauf war es jedoch zu spät und wir verließen die Anlage. Nächste Woche gehts weiter.

 

Über das Wochenende hatte ich Besuch von einem alten Bekannten, Ashkan, ein Mitstudent aus Ansbach. Er macht sein Praktikum ca. 100km von Shanghai entfernt und war positiv überrascht. Bei ihm ist kaum was los und mit Englisch kommt er in seiner Arbeit auch nicht wirklich weiter. Naja, da habe ich es hier schon einfacher. Freitag Abend waren wir in 3 Clubs und beobachteten wie sich vor einem zwei Taxifahrer kloppten. Die Chinesen prügeln sich häufig, aber nicht mit coolem Shaolin-style, das sieht eher hilflos aus wie die mit ihren Händen durch die Gegend fuchteln. Auf jeden Fall hatten die Zwei Ärger und drei Polizisten standen daneben und grinsten. Unglaublich, die Ticken hier nicht richtig. Mein Mitbewohner erzählte mir dass sich der Siemenspförtner neulioch auch geprügelt hat und der andere stand daneben und beobachtete das Geschehen. Naja, im Clun angekommen wurden wir in die VIP Area geführt und tranken Vodka mit grünem Tee. War sehr lecker. Anscheinend ist man als Deutscher/Ausländer selbst in der Metropole Shanghai was besonderes. In den Clubs wird hauptsächlich Techno gespielt und die Chinesen fuchteln wild durch die Gegend. Sehr lustig. Samstag waren wir im "Club Rouge", einer superangesagten Disco. Oben angekommen hatten wir einen traumhaften Überblick über die Skyline von Shanghai. Im Club lief mal wieder Techno und die reichen Chinesen prahlten mit ihrem Geld. Champagner aus der Flasche und je älter der Chinese desto mehr junge Mädchen im Schlepptau, so siehts aus. Ältere nicht allzu gut aussehende Europäer haben auch junge Mädchen dabei und machen auf dicke Macker. Interessant das mal gesehen zu haben, aber das wird bestimmt keine Stammkneipe. Ein Trupp Ftanzosen quatschte uns an und die waren ganz lustig und symphatisch. Denen ging das Gehabe dort genauso auf die Nerven wie uns und deshalb sind wir weitergezogen. Sonntag sind wie an meinen Lieblingsplatz, den Fake Market gegangen und haben eingekauft. Ashkan hat sich eine Boss Jacke geholt und ich gönnte mir eine Breitling. So muss das sein. Ach ja, Socken habe ich mir auch gekauft falls es jemanden interessiert. Zufällig entdeckten wir auf dem Heimweh einen Türken und schnappten uns einen Döner. Das war mal wieder richtig lecker, fast so gut wie ein anständiger deutscher Döner. Erschöpft und satt haben wir uns noch einen Film angeschaut und sind schlafen gegangen.

 

Fake Market und Nachtbilder

 

Filmchen-Dachterasse

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Filmchen-Disse

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falls ihr die Filme nicht abspielen könnt probiert es hiermit

 

 

-> 30.10.2005

 

Eine neue Aufgabe wurde mir die Woche uebertragen, Siemens muss ein Kalkulationstool aktualisieren. Das System ist ganz simpel, es ist eine Exceltabelle mit vordefinierten Preisen fuer Material und Dienstleisungen, es wird eingegeben von was wieviel benoetigt wird und der Preis kommt raus. Ok, so weit so gut. Meine Aufgabe ist es diese Kosten auf den neuesten Stand zu bringen. Nicht nur auf dem Fake-Market wird gehandelt was das Zeug haelt, auch im normalen Leben, demzufolge sind die Anfangspreise eines Angebotes hoeher als die tatsaechlichen Preise nach etlichen Meetings mit den Lieferanten. Ok, klingt ja alles ganz nett, jetzt geht es also los mit alten Angeboten vergleichen und die Zulieferer nerven dass sie von vornherein einen anstaendigen Preis nennen um dieses Gefeilsche zu vermeiden. Doch jetzt zum privaten. Montag und Dienstag waren zur Erholung des letzten Wochenendes gedacht, ok, realisiert. Mittwoch Abend ging es spontan in diesen VIP-Club wo sich wieder diese Models tummelten und wir die Freigetraenke ausnutzten. Donnerstag bekam ich in der Arbeit einen Anruf dass mein Chef mich gerne sprechen wurde. Du meine Guete dachte ich, was will der denn von mir? Hab ich was angestellt? Also stapfte ich in sein Buero und wurde beauftragt einen Bilderrahmen zu organisieren. Ich hatte ihm neulich das Bild von Formel 1 ausdrucken lassen (100x70cm) und da ich mich in dem Gebiet ja so toll auskenne bin ich der ideale Kandidat um einen Bilderrahmen dafuer zu besorgen. Aha dachte ich mir und stellte mich also dieser kniffligen Herausforderung. Ich machte einen Spaziergang um das Buero und durchforstete die ganzen kleinen Laeden nach einem der Bilderrahmen macht. Glaser und Schreiner fand ich, aber keinen der Beides (also Bilderrahmen) macht. Zufaellig kam ich an einer Art Fischmarkt vorbei. Ein Chinese warf wie ein Depp Sachen auf den Steinboden. Bei naeherer Betrachtung erkannte ich dass er Fische schmiss damit die verrecken. Auch eine Moeglichkeit. In den Bottichen tummelten sich Fische, Aale, Flusskrebse (eine Leibspeise hier, die werden 20 Minuten geduenstet, dann aufgebrochen und verzehrt, wurde mir in der Raucherecke beigebracht), Schildkroeten und Monsterfroesche. Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei, werde fuer kommende Woche ein Shooting mit den Kandidaten organisieren. Zurueck zum Bilderrahmen, nichts gefunden in der naeheren Umgebung. Naja, schnell noch nen gruenen Tee geschluerft und ab ins Buero. Zum Glueck gibt es Teamassistentinnen. Wirklich faehige Damen wenn man nicht weiterweis. Ich also mein Problem geschildert und schon wurde mir eine Adresse auf einen Zettel gemalt. Ich also dorthin gefahren, diesen Laden irgendwann gefunden und schon ging die Arbeit los. 4 Chinesen, einer hat das Bild ausgemessen, ein anderer den Rahmen geschnitten und zusammengenagelt, einer hat die Hintergrundpappe zurchtgeschnitten und der letzte war fuer die Glasscheibe verantwortlich. 5 Minuten spaeter war das Ding fertig. Sehr beeindruckend. Leider war das noch nicht mein Bild, die hatten einiges zu tun und somit konnte ich meinen Rahmen erst am naechsten Tag abholen. Am Abend hat die Freundin eines Freundes meines Mitbewohners Geburtstag gefeiert. Es ging in einen Hip Hop Schuppen in dem an dem Abend der DJ von Eminem aufgelegt hat. Kleine Chinesen-Gangster waren auch am Start und waren sehr lustig. Nicht so ein affiges Gehabe wie die kleinen deutschen Jungs, die haben sich total gefreut und sind froehlich zu der Musik durch die Gegend gehuepft. Richtig putzig. Die ?Elite" hatte mal wieder einen Tisch reserviert und versuchte Konversation zu fuehren. Komischerweise gelang das an dem Abend auch ganz gut, es waren interessante Leute da und einige Bekannte des Geburtstagskindes (Norweger) mit denen man sich gut unterhalten konnte. Am Samstag machte ich mich auf um den Bund zu erforschen. Der Bund ist eine Art Promenade direkt am Flussufer aus der Kolonialzeit. Viee alte Gebaeude stehen dort. Zum anderen Flussufer gelang ich mit der Faehre. Sehr schoen die frische Briese zu spueren und die Lastenkaehne zu beobachten. Manche von denen sind so vollbeladen dass die beinahe untergehen. Ich moechte nicht wissen was da schon alles am Flussgrund liegt. Am anderen Ufer angekommen machte ich mich auf den Weg und entdeckte einen grossen Park. Mitten in Shanghai eine gruenflaeche mit Baechen und Fischen zu entdecken war schon komisch. Man fuehlte sich wie aus der Realitaet gerissen wenn man die Wege durch dichten Bambus entlang kleinen Baechen folgte. Raus aus dem Park ueberrannte einen wieder das Grossstadtleben. Danach schlenderte ich den Bund entlang und genoss die Aussicht auf das Panorama von Puding, dem Viertel in dem ich lebe. Gerade war ich auf der Suche nach einem Taxi als ich den Eingang zu dem Personentunnel unter den Fluss entdeckte. Ich hatte schon einiges ueber diesen Tunnel gelesen und   nutzte die Moeglichkeit diesen jetzt zu testen. Der Eingang ist recht unscheinbar, es geht eine Rolltreppe hinunter, umringt von komischen Plastikkletterpflanzen. Unten angekommen geht es in kleine Triebfahrzeuge die sich am Ende der Strecke automatisch umdrehen. Ich weis nicht wie viele Triebfahrzeuge die da haben, es waren aber schon eonige die immer zum anderen Ufer fahren, dann umdrehen, dann wieder zurueck. Die Fahrt war sehr psychedelisch angehaucht. Einschlaefernde Musik, dazu eine seltsame Stimme und der ganze Tunnel voll mit Lichteffekten. Am anderen Ende angekommen wurde es schon langsam dunkel und ich machte mich auf den Weg nach Hause. Abends ging es dann wieder ins Park 97. Dort waren 3 Lifemusiker. Einer spielte Trompete und seine zwei farbigen Genossen sangen. Aktuelle Lieder wurden per CD abgespielt und die Beiden sangen dazu. Super, die haben das richtig gut gemacht und dementsprechend war die Stimmung.

 

Park, Bund und Tunnel

 

 

-> 06.11.2005

 

Eine Woche ist wieder ins Land gezogen. Die Woche verlief ruhig und gemuetlich. Carolina und El Gato sind zurueck nach Brasielien (so eine kleine Katze im Flugzeug mitzunehmen kostet doch glatt 270 Euro!!!), Hannes und ich waren Mittwoch Abend mal wieder bei so einer alles-umsonst-fuer-Models Veranstaltung und uebers Wochenende war ein Kumpel von Hannes zu besuch, Laurents (halber Deutscher, halber Franzose). Er kommt aus Stuttgart, macht aber momentan in Bangkok seine Diplomarbeit beim Daimler. War alles sehr lustig, Freitag waren wir dann beim Japaner all you can eat und all you can drink (Tiriaki oder so aehnlich hiess das). War superlecker, ca. 8 Leute sitzen um eine Art Riessenpfanne auf der ein Chinese nacheinander Krabben, Pilze, Steak, etc. bruzelt, dazu eine Platte Sushi und natuelich diesen warmen Reisschnapps. Naja, gut fuer die Verdauung. Danach waren wir noch ein einer Disco in der irgend ein toller beruehmter DJ aufgelegt hat und da dieser Laden anfangs so stickig war haben wir das gute Essen gleich wieder abgebaut. Gegen zwei Uhr wurde die Luft bedeutend besser und wir haben uns Richtung Tanzflaeche getraut. Von da an sind wir zwischen Bar und Tanzflaeche gependelt bis es ca. 5 Uhr war und dann sind wir heimgegangen, hat auch gereicht. Samstag haben wir schoen ausgeschlafen, waren einkaufen, haben ein Reisebuero gesucht, jedoch keins gefunden in dem die Herrschaften des Englischen maechtig waren und sind in ein Thai-Restaurant gegangen. Hat sehr komisch geschmeckt, die hatten ein paar dubiose Gewuerze drinnen und ich hatte ein Huehnchensalat, das hat so komisch staubig geschmeckt, kann es gar nicht beschreiben. Anscheinend lag es aber nicht am thailaendischen Essen sondern am Restaurant, Laurents war auch nicht begeistert und der kennt sich ja aus. Sonntag war ich dann mit Laurents und einer chinesischen Freundin von ihm am Bund (diese Promenade am Flussufer), haben uns von neugierigen Chinatouristen photographieren lassen und Abends stand mal wieder gut essen auf dem Plan. Hannes kam dazu und noch einige andere Chinesen die alle supernett waren. Wir gingen ins ?Mr. Su Seafood Restaurant". Innen war eine grosse Theke aufgebaut mit allem fischigen was man sich nur vorstellen kann. Krabben, Muscheln, Tintenfisch, Krebse und Fische. Dann ging man rum und suchte sich aus was man gerne auf seinem Teller sehen wuerde. Einen Fisch aus dem Aquarium, einige frisch durchgespuelte Muscheln, Monsterkrabben und jede Menge Gruenzeug. Anschliessend noch geklaert wie diese Leckereien zubereitet werden und wenige Minuten spaeter wurde das Mahl kredenzt. Dank Drehscheibe auf dem Tisch konnte man fleissig in jede Schuessel picken und alles durchprobieren. Die Stimmung war gut, die Haende fettig vom Krabben zerrupfen und wohl genaehrt ging es nach Hause, da Laurents am gleichen Abend noch nach Bangkok geflogen ist.

 

Mr. Su Seafood Restaurant

 

 

-> 13.11.2005

 

Um auch mal etwas Kultur mitzubekommen beschlossen Hannes, Askhan und ich ein Wochenendtripp nach Peking zu machen. Da wir alle den Freitag freigenommen haben konnten wir puenktlich losfliegen um noch was von dem Tag zu haben. Wie sich dann herausstellte blieb von dem Tag dann doch nicht mehr so viel uebrig wie gedacht. Nachdem wir in Peking gelandet sind mussten wir uns ein Taxi besorgen. Wird schon nicht so schwer sein dachten wir uns, Tja, falsch gedacht. Am Taxistand eine ewig lange Schlange und die Taxen am Abflugterminal durften keine Passagiere mitnehmen. Einige Chinesen wollten uns auch in die tiefen einer Tiefgarage fuehren in der ein Taxi nur auf uns warten wuerde. Schnell wurde ein Taxischild per Magnet am Autodach montiert und wollte uns fuer viel Geld nach Peking fahren, aber wir als alte Chinahasen haben uns natuerlich nicht verarschen lassen und so sind wir nach langer Suche auf den Shuttleservice des Flughafens gestossen. Also ging es mit dem Bus nach Peking. Dort lernten wir einen Englaender kennen der uns gleich ein gutes Hotel nannte. Dieses hatte dann kein Dreibettzimmer und irgendwie sind wir in einer Jugendherberge gelandet. Wie das alles geschah und welcher Chinese uns wohin gefuehrt hat is mir in dem Getummel ein Raetsel geblieben. Die Hauptsache war jedoch wir hatten ein Bettchen und eine warme Dusche. Wunderbar, mehr braucht man nicht. Das die Jugendherberge auch noch wunderschoen eingerichtet war und ordentliches Essen servierte war nebensaechlich. So, nun waren wir in Peking, also muss man auch eine Pekingente essen. Schnell den Reisefuehrer durchgeblaettert und ein passendes Lokal gefunden. Das Taxi fuhr uns in dubiose Seitenstrassen und wir wurden von Rikschafahrern verfolgt. Irgendwann wurden die Gassen zu schmal fuer das Taxi und wir verliessen es. Ok, so standen wir irgendwo in Peking, umringt von Rikschas und weit und breit keine Pekingente zu sehen. Dank Handy riefen wir in dem Lokal an, eine Wegbeschreibung konnten die uns nicht liefern aber wir haben rausgefunden dass sich diese Rikschafahrer auf den Transport von dummen Touristen spezialisiert hatten die genau dieses Lokal suchen, also wagten wir den Ritt und wurden hingefahren. Wir waren schon recht nahe, aber alleine haetten wir es nie gefunden. Dann gab es endlich die heiss ersehnte Pekingente. Ja, war schon ganz lecker, aber wirklich viel ist an so einem Vieh nicht dran und nachdem alles verputzt war samt Beilagen ging es auch weiter Richtung Kneipenviertel. Das war auch nicht leicht zu finden doch nach einigem hin und her fanden wir die Strasse, schlenderten gemuetlich durch und inspizierten die Kneipen. Geruechteweise gab es in der Umgebung auch einen anstaendigen Club den aber bis auf zwei schwarze Jungs aus Zentralafrika niemand kannte. Sie waren auch auf dem Weg dorthin und nahmen uns mit. Auf die Frage was sie denn in China machen kahm nur immer ?Business, business" als Antwort. Die Beiden waren schon sehr dubios, vermutlich erhoerte uns eine hoehere Macht, denn kurz vor dem Club machten die Beiden kehrt und veraschiedeten sich. Der Club war sehr geraeumig, aber trotzdem voll. Das Bier war einigermassen guenstig und die Musik gut. Lange sind wir jedoch nicht geblieben da wir alle muede waren und am naechsten Tag noch einiges vorhatten.

 

Peking, Anreise und erster Tag

 

Samstag schoen ausgeschlafen, gut gefruehstueckt und ab ging es in den Supermarkt um Reiseproviant zu besorgen. Wasser, Sandwiches und als Leckerei einen tiefgekuehlten Fisch. Fuer irgendwas mussten wir unseren Taschengrill ja verwenden, und da die Wuerstchen in China nicht wirklich lecker aussehen (ausser Ashkan, der liebt die) musste der Fisch herhalten. Dann wurde der Rucksack aufgeschnallt und los gings. Da der Mauerabschnitt auf den wir wollten ca. 120km von Peking entfernt war mussten wir den Bus nehmen. Ein Taxi fuhr uns zur Busstation und nach einigem Nachfragen haben wir auch sofort den richtigen Bus gefunden der auch gerade zu der Zeit abgefahren ist. Nach ca. Einer Stunde haetten wir umsteigen muessen, aber ein Kumpel vom Bruder des Busfahrers oder so aehnlich hatte zufaellig ein Auto welches auf uns wartet und uns direkt an die Mauer faehrt. Ok, da es eh schon spaet war und wir die Mauer bei Sonnenschein erreichen wollten schlugen wir ein. Dieser Kumpel wartete auch tatsaechlich mit seiner Klapperkiste auf uns. Ein Fahrer, drei deutsche Touristen samt Gepaeck und die Schmerzgrenze des Vehikels war erreicht. Leider mussten wir den Schmerz ausbaden indem Hannes und Ashkan auf der Rueckbank ausharrten und ich mit meinen Knien im Gesicht und einem Sonnenschutz der mir dauernd an den Kopf stiess auf dem Beifahrersitz sass. Irgendwann am Ziel angekommen machten wir mit dem Fahrer gleich einen Treffpunkt samt Uhrzeit fuer den naechsten Tag aus, und dann ging es ab auf die Mauer. Die Sonne war dabei sich zu verabschieden und um ein hoeher gelegenes Tuermchen zu erwischen mussten wir uns beeilen, also artete das ganze in einen bergaufrennenden Tripp. Zum Glueck war der Teil der Mauer gut ausgebaut, doch mit der Daemmerung liess die Trittsicherheit nach und ich in meinen Officeschuhen war natuerlich auch bestens geruestet. Etliche Tuermchen weiter erreichten wir einen gut erhaltenen Stuetzpunkt fuer die Nacht. Mit der Dunkelheit kahm die Kaelte und der eisige Wind tat sein uebriges, aber wir hatten ja unseren Fisch. Der Grill wurde angeschmissen und der Fisch ausgepackt. Zu unserer Freude war der Fisch inclusive aller Innereien. Wer verkauft denn bitteschoen einen Gefrierfisch samt Innereien? Sowas bescheuertes habe ich ja selten erlebt. Dank meiner Pfadfinderlaufbahn und meinen Imensen Kenntnissen in Ueberlebenspraktiken packte ich meinen Letherman und nahm gekonnt den Fisch aus. Hat sich zwar geziert, schlussendlich gab er aber nach und wir konnten mit dem Festmahl beginnen. Danach begaben wir uns auf Holzsuche um ein Feuerchen zu schueren. Das meiste Holz das wir fanden war noch frisch oder aber so trocken dass es innerhalb weniger Sekunden verbrannte, dementsprechend oft waren wir am sammeln. Da der Wind doch zu ungemuetlich wurde zogen wir in das Tuermchen und richteten uns ein. Das Feuerchen brannte und Dank einer leeren Coladose waermten wir Rotwein und hatten somit eine Art ersten Gluehwein des Jahres, und das auch noch auf der Chinesischen Mauer. Wunderbar. Wir waren alle muede und der warme Wein tat sein uebriges, deshalb sind wir in die Schlafsaecke gehuscht. Naechster Morgen, halb 6 war die Nacht zu ende (ok, sie wurde einmal unterbrochen von mir wie ich in Unterhose die Mauer abrannte um ein geeignetes Plaetzchen zum pinkeln suchte) und die ersten Sonnenstrahlen erschienen. Wir quaelten uns aus den Schlafsaecken in die kalten Klamotten und beobachteten das Spektakel. Die ersten Strahlen krochen hinter einer Bergkette hervor und verdraengten die Nacht. Die Luft war klar und kalt. Drei bibbernde Touristen standen auf der Mauer und beobachteten das Spektakel. Das muss ein Anblick gewesen sein, aber es war auf jeden Fall ein Erlebniss. Wenn man sich ueberlegt wieviel tausend Chinesen in wievielen Jahrhunderten diese 4000km lange Mauer gebaut haben, unglaublich. Jedes Steinchen wurde hochgeschleppt und aneinandergereiht. Die komplette Mauer ist massiv, also nichts mit Hohlraeumen oder duennen Waenden. Und wozu? Zum Schutz vor den Mongolen. Da die Mongolen aber klevere Burschen waren sind sie einfach um die Mauer herum gelaufen und haben China angegriffen, das bedeutet die Mauer hat nie ihren Zweck erfuellt. Und nun standen wir auf diesem Weltwunder, wo viele tausend Chinesen davor ihr Leben gelassen haben fuer nichts. Gegen 7 schulterten wir die Rucksaecke und machten uns auf, es mussten noch einige Kilometer abgelaufen werden. Dank des hervorragenden Wetters kahm die Landschaft super zur Geltung. Die Sonne schien und uns wurde es schnell wieder warm. Gegen halb 8 liefen die ersten Leute entgegen und verglichen mit der Anstrengung des Aufstieges am Tag davor spazierten wir die Mauer entlang. Dieser Teil war zwar nicht mehr so gut praepariert, aber deswegen machte es umso mehr Spass sich durch die Gegend zu hangeln und einen passenden Weg durch das Geroell zu finden. Puenktlich gegen 11 Uhr waren wir am vereinbarten Treffpunkt mit dem Fahrer und wir machten uns auf den Weg zurueck nach Peking.

In Peking angekommen deponierten wir unsere Rucksaecke in der Jugendherberge in der wir die Nacht davor verbracht haben und ich hatte die Moeglichkeit meine Akkus ueber zwei Kaffee zu laden. Trotz aller Muedigkeit machten wir uns auf den Weg in die Forbidden City und an den Platz des himmlischen Friedens. Ein riessiges Plakat von Mao grinste uns an und Ashkan hatte die Moeglichkeit mit den Securitys eine Runde Basketball zu spielen. Viele Chinesen nutzten den Sonntag Nachmittag und das gute Wetter um einen Spaziergang zu machen und trotz der riessigen Dimensionen der Gelaende war es sehr voll. Zum Abschluss unseres Pekingaufenthaltes gab es noch ein gutes chinesisches Essen (eine Art Fundue wo alles in einen Topf mit kochender Bruehe geschmissen wird) und dann ging es um 22 Uhr auch schon wieder zurueck nach Shanghai. Es war auf jeden Fall ein sehr beeindruckendes Erlebniss welches ich nie vergessen werde. Solche Erlebnisse kann man schlecht mit Worten beschreiben. Sollte also jemand die Moeglichkeit haben hierher zu kommen kann ich es nur empfehlen.

 

"Spaziergang" und Übernachtung auf der Chinesischen Mauer

 

Peking Kultur

 

 

-> 20.11.2005

 

Um nicht immer nur im Büro zu sitzen durfte ich für eine Woche in eine Papierfabrik gehen. Die Fabrik befindet sich momentan im Aufbau und Siemens bastelt dort die Antriebe und die komplette Ablaufsteuerung. Die Jungs vor Ort waren auch alle sehr nett und locker. Wir waren alle in einem Hotel gleich um die Ecke untergebracht. Der Tag begann um 6:30h mit einem anständigen Frühstücksbuffet. Zum Glück war das ganze im ?western style", es gab also anständig Speck, Eier und Toastbrot. Die Chinesen hatten ihren Reis und Gemüse und gestärkt ging es auf die Arbeit.

Glücklicherweise war die Woche nicht viel zu machen und so konnte mir der Chefchinese ?Fred" vor Ort alles schön erklären. Sehr interessant was da alles gemacht wird damit am Ende Papier rauskommt. Die Anlage in welcher wir waren (Fabrik Nr. 11, Nr. 12 und 13 sind schon in Planung) produziert Zeitungspapier. 80% wird aus Altpapier gewonnen welches aus den USA importiert wird und die restlichen 20% wird neu produziert. Das Holz hierfür kommt aus Finnland und Kanada. Es gibt Papier aus Holz, Bambus, Zuckerrübe etc., Glas findet man auch in Papier und das hochwertigste   Papier ist jenes für Geldscheine und besteht aus Baumwolle.

Ok, zurück zur Fabrik. Also am Anfang wird Altpapier aufbereitet oder neues produziert, dieser Brei wird über große Metallwalzen gelenkt und dabei gepresst und getrocknet. Weitere Walzen bügeln das Papier und am Ende kommt ein 10 Meter breites ?Papierblatt" heraus mit einer Geschwindigkeit von 2500 Meter pro Minute. In einer Minute produziert die Anlage also 25000 Quadratmeter Zeitungspapier. Das ist einiges an Lesestoff. Entsprechend den Kundenanforderungen wir dieses Monsterblatt zerschnitten und aufgrollt. Dies war die Kurzfassung was die Anlage macht. Siemens kümmert sich nun darum dass die Walzen alle in der richtigen Geschwindigkeit zueinander rollen (sonst zerreist das Papier) und welcher Abschnitt wann was macht. Wenn wir nicht irgendwo Motoren getestet oder Kabelstränge verfolgt haben saßen wir in unserem Kontrollzimmer und haben chinesische Musik gehört. Sehr cool, die haben da richtig anständige Sachen. So chillten wir also mit einer Tasse grünem Tee und chinesischem Rap bis irgendwo ein Antrieb nicht das machte was er soll und wir hinstürmten um den Fehler zu ergründen.

 

Papierfabrik

Auf dem Rückweg nach Shanghai pausierte ich für 2 Tage in Qingdao, eine kleine Stadt an der Ostküste. Da Qingdao eine ehemalige deutsche Kolonie ist hat diese Stadt etliche alte Gebäude aus dieser Zeit. Wenn man also in der Innenstadt steht, umrundet von deutschen Gebäuden und zwei alten Kirchen fühlt man sich nicht wie mitten in China. Die Stadt ist umrundet von Sandstränden und durch die hügelige Lage und kleinen Gässchen ist dies im Sommer bestimmt eine nette Angelegenheit. Leider war es um diese Jahreszeit zu kalt.

Abends ging es natürlich raus um einen Happen zu essen und um das Nachtleben zu erforschen. Ich fragte also an der Hotelrezeption nach und die schickten mich in eine große Strasse voll mit Restaurants. Das Thema Essen hatte sich also erledigt, jetzt ging es los eine nette Kneipe etc. zu finden. Ich schlenderte also die Strasse entlang und fand einige imposante Bauten auf denen groß ?Club" stand. Ok dachte ich mir, das wird schon was sein. Dass ich niemanden sah und ich keine Musik hörte machte mich nicht nachdenklich, im Nachhinein ein nicht zu verzeihender Fehler. Ich betrat die Empfangshalle und begegnete einem Chinesen der kein Wort Englisch konnte. Er hüpfte nur ?ok, ok, ok" rufend durch die Gegend und verschwand. Naja, ok dachte ich mir und wollte schon wieder weiter als er mit einer nett gekleideten Chinesin zurückkam. Als ich sie sah dämmerte es mir in was für einem Schuppen bzw. ?Club" ich da gelandet bin. Die gute Frau kapierte zum Glück dass ich nur für ein gemütliches Bierchen aus war und mich nur in der Tür geirrt war. Sie konnte auch sehr gut Englisch und so saß ich schlussendlich in diesem Club, ein Stadtplan von Qingdao auf dem Tisch und von insgesamt fünf hübschen, spärlich bekleideten Chinesinnen umgeben. Irgendwann fiel das Wort ?Paulaner" und ich horchte auf. Das kommt mir bekannt vor. Die Damen begleiteten mich mit vor die Tür, und erklärten dem Taxifahrer wo er mich hinbringen sollte. Geschafft, ich war auf dem Weg zum Paulaner Bräu. Dieser lag an der Küste, der Eingang sah aus wie ein kleiner Zeitungsladen, doch dahinter ging es eine lange Treppe herunter und ich war an meinem Ziel.

Ich machte es mir an der Bar gemütlich, trank ein Bierchen und würfelte mit meinen Sitznachbarn. Später stand ein kleiner Brasilianer neben mir, der Gitarrist der Band die dort spielte. Ich war ihm aufgefallen, kein Wunder, außer mir waren nur Chinesen im Paulaner, und wir unterhielten uns. Er meinte dass die Band um 1 Uhr Feierabend macht und sie dann weiterziehen würden und ob ich Lust habe mitzukommen. Gute Idee dachte ich, ich konnte nicht den ganzen Abend nur würfeln. Also ging es gegen 1 Uhr weiter in eine Bar, die ?Jazz-corner". Ich hatte von dieser davor im Internet gelesen und war sehr gespannt. Hier tummelten die Expats, Studenten etc. aus der ganzen Welt (die meisten aus Deutschland) und es wurde ein schöner Abend umrundet von Deutsch und günstigen Getränken. Ein alter Chinese mit seiner Tochter waren dabei welche mich in Beschlag nahmen. Er redete und redete auf mich ein und ich verstand kein Wort. Die Tochter war bemüht alles in Echtzeit zu übersetzen und nachdem meine blonden Haare und meine griechische Nase ausdiskutiert waren machte ich mich wieder weiter in die deutsche Ecke. Die restliche Zeit verbrachte ich mit Sightseeing. Ich hatte eine kleine Informationsbroschüre und zeigte den Taxifahrern immer die Bilder von den Orten wo ich hinwollte. Ich klapperte also alle interessanten Objekte ab und Sonntagnachmittag ging es dann auch schon wieder zurück nach Shanghai.

 

Qingdao

 

-> 02.01.2006

 

Montag morgen um halb 10 ging der Flieger von Shanghai nach Shenzhen, eine Stadt direkt bei Hong Kong. Ok, von meiner Wohnung zum Flughafen benötigt man ca. eine halbe Stunde, wir sollen eine Stunde vor Abflug da sein, wunderbar, dann reicht es ja wenn wir gegen 8 Uhr losziehen dachte ich mir. "Nein nein nein, lieber ein bisschen früher" hörte ich eine helle Stimme im Hintergrund. "Lieber zu früh als zu spät" meinte Christin. Ok, wir fuhren also um halb 8 los. Das Taxi schipperte uns zum Flughafen von dem aus die Inlandsflüge starten. Um viertel nach 8 kamen wir dort an. Verwundert blickte ich auf die Anzeige da ich nirgends unseren Flug finden konnte. Vorsichtig lugte ich auf das Flugticket und fand als Abflugsflughafen PVG. P könnte für Pudong stehen, den anderen Flughafen. Schnell fragten wir eine Dame am Schalter und die bestätigte dass wir auf dem falschen Flughafen waren. Sowas bescheuertes, der ursprüngliche Flug den ich rausgesucht hatte ging um 11 Uhr ab dem kleinen Flughafen auf dem wir uns jetzt befanden, da dieser Flug jedoch voll war buchte die Siemenssekretärin den um halb 10 und ich Trottel habe mich natürlich nicht vergewissert ob sich evtl. der Flughafen dadurch auch ändert. Wir stürmten also raus und beschlagnahmten ein Taxi. Normalerweise gibt es eine Stelle an der die Taxis die Leute absetzen und eine Etage tiefer eine Stelle an der die Taxen Personen einsammeln dürfen. Unser Fahrer merkte jedoch dass wir ziemlich in Eile waren und ignorierte diese Regelung. Innerhalb von gut 40 Minuten heizte dieser also einmal durch Shanghai von dem einen zum anderen Flughafen. Respekt. Dort angekommen stürmten wir in die Halle, reanimierten die Chinesen beim check in und rannten zum Gate. Kaum im Flieger angekommen ging es auch los und wir waren erleichtert dass doch noch alles geklappt hat.

Einige süße klebrige Brötchen später sind wir auch schon in Shenzen angekommen. Ein dubioser Flughafen-Minibus brachte uns und drei weitere deutsche Studenten die wir dort kennen gelernt haben brachte uns zum Bahnhof. Dort war dann Passkontrolle, anstehen, Zettel ausfüllen und so weiter. Irgendwann befanden wir uns im Zug nach Hong Kong und nach einigem Umsteigen in U-Bahn und Taxi befanden wir uns endlich im Hotel.  

Doch nichts mit entspannen, auf gings zum Peak. Der Peak ist eine Art Aussichtsplattform auf einem Berg von Hong Kong Island. Leider war das Wetter ziemlich trüb und die Aussicht war nicht sehr gut. Also aßen wir etwas und warteten ab bis es dunkel war. In der Nacht sah alles schon ganz anders aus. Überall hell erleuchtete Hochhäuser und Schiffe, sehr schöne Aussicht. Bergab ging es mit einer Bahn die an einem Seil hängend den Berg herauf und herunterfährt und den restlichen Abend durchforsteten wir Hong Kong Island.

Dienstag stand shopping auf dem Tagesplan, was soll man auch machen wenn man in Hong Kong ist. Also ging es mit der U-Bahn nach Kowloon, das ist ein Stadtgebiet auf dem Festland. Hier befindet sich die Haupteinkaufsstrasse und die Technikecke. Also erstmal was für die Frauen mit Klamotten und Süßigkeiten, dann was für die Männer mit IT und Photo. Hong Kong ist eine recht gemütliche Stadt verglichen mit Shanghai. Jeder kann Englisch und die Stadt ist sehr sauber und ordentlich. Man hört kein ?DVD, CD, watches?" und auch diese penetranten Bettler sind mir nicht untergekommen. Dafür passiert hier nicht so viel wie in Shanghai. Man sieht nicht jeden Tag ein neues Gebäude entstehen und die Stadt pulsiert einfach nicht so. Da ich nur knapp drei Tage in Hong Kong war kann ich dies natürlich schlecht vergleichen, aber ich werde auf jeden Fall noch mal ein Wochenende hingehen um mehr zu sehen. Abends ging es auf den Nacht-Markt. Dort gab es wieder mal Klamotten, Chinakram, Uhren, also ähnliche Sachen wie auf dem Fake-Market. Bei einer leckeren Nudelsuppe beobachteten wir das Geschehen um uns herum. Anschließend marschierten wir voll bepackt zurück und betrachteten die nächtliche Skyline von Hong Kong Island ehe wir mit der Fähre rübersetzten.

Mittwoch ging es auch schon wieder weiter und wir mussten unsere Koffer packen. Diesmal ging es per Schnellboot zurück nach Shenzen. Auf dem Weg zur Fährstation konnte ich nicht wiederstehen und ich gönnte mir einen neuen Blitz und einige Filter. Man muss ja etwas kaufen wenn man schon mal dort ist. Zurück in Shenzen brachte uns ein Bus direkt zum Flughafen und schon ging es auch weiter nach Sanya, Hainan, dem Malle der Chinesen.

 

Hong Kong

 

Sanya

 

Tempel-Sonstiges

 

 

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